Von damals bis heute
In der Saison 2010/2011 feierte der Gasteig sein 25-jähriges Jubiläum. Entdecken Sie hier die Geschichte des Gasteig – eng verwoben mit der Münchner Stadtgeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eingeweiht wurde er am 10. November 1985 mit einem Festkonzert der Münchner Philharmoniker. Die Planungen – und erst recht die Visionen – zu einem Münchner Kulturzentrum reichen freilich viel weiter zurück.
Erste Überlegungen zu einem Volksbildungshaus
April 1944: Bei einem verheerenden Bombenangriff auf die Münchener Innenstadt werden das Odeon und die Tonhalle, die beiden größten Konzertsäle Münchens, in Schutt und Asche gelegt. Seither sind die Philharmoniker ohne ein eigenes Haus und müssen sich mit Provisorien zufrieden geben. Ähnlich ergeht es auch anderen städtischen Kultur-institutionen. So verfügt die Stadtbibliothek trotz einer großen Zahl von Zweigstellen weder über eine Zentrale noch über ausreichenden Magazinraum; die Volkshochschule muss ihr umfangreiches Kurspro-gramm als geduldeter Gast in verschiedenen Schulen abwickeln; und auch das Richard-Strauss-Konservatorium ist als Mieter höchst unzulänglich untergebracht.
Entwicklung eines Raum- und Funktionsprogramms
60er Jahre: Unter dem Eindruck des anhaltenden Wirtschaftswachstums kann die Stadt auch den Bau anspruchsvoller Großprojekte planen. Im Rahmen einer breit angelegten Stadtentwicklungsplanung wird u. a. ein Kulturhaus ins Auge gefasst. Als mögliche Standorte stehen ein Terrain im Umkreis des Hofgartens, Neu-Perlach sowie das städtische Grundstück »Am Gasteig« zur Diskussion.
Ausschreibung eines städtischen IdeenWettbewerbs
1971/72: Für das gesamte Gelände zwischen Gasteig und Rosenheimer Platz schreibt die Stadt gemeinsam mit der Löwenbräu AG einen Wettbewerb aus, der auf eine überzeugende Lösung im größeren städtebaulichen Zusammenhang abzielt. Aus dem preisgekrönten Entwurf der Architekten Raue, Rollenhagen und Lindemann blieben vor allem zwei Grundgedanken in der endgültigen Realisierung bestehen: die Ausrichtung des großen Konzertsaales zum Isarufer hin sowie die Durchgängigkeit des Gesamtkomplexes für Fußgänger.
Genehmigung des Gasteig-Projektes durch den Stadtrat
1974: Die wirtschaftliche Rezession erfordert eine erste Kurskorrektur: Man koppelt entbehrliche Teilbereiche des Gasteig-Projektes wie das geplante 1.000-Betten-Hotel ab, verringert die Zahl der PKW-Stellplätze drastisch und fasst eine Mehrfachnutzung der Säle ins Auge. Mit diesen Einschränkungen gibt der Stadtrat 1974/75 grünes Licht für den Bau-wettbewerb. Diesen können wiederum die Architektengemeinschaft Raue, Rollenhagen, Lindemann sowie ihr inzwischen hinzugekommener Partner Grossmann für sich entscheiden. Die Stadt beauftragt sie mit dem Gasteig-Projekt; ihre Planungen werden am 7. April 1976 vom Stadtrat genehmigt.
Baubeginn und Kampf mit Problemen
April 1978: Unter dem damaligen Oberbürgermeister Kronawitter erfolgt der erste Spatenstich. Indessen treten schon bald gravierende Probleme auf; zeitweilig scheint die Fertigstellung des Hauses sogar gefährdet. So lassen Schallmessungen befürchten, dass die S-Bahn Störgeräusche im künftigen Konzertsaal verursachen könnte. Der neue Stadtrat fordert Änderungen, und so müssen zahlreiche, zum Teil grundlegende architektonische Umplanungen vorgenommen werden. Diese belasten die Finanz- und Termindisposition und schließlich treibt die in Fahrt gekommene Baukonjunktur die Preise in die Höhe: 1980 erreichen die Investitionskosten planerisch bereits die astronomische Summe von 372 Millionen DM.
Teileröffnung des Gasteig
1984: Die Münchner Stadtbibliothek, die Münchner Volkshochschule und das Richard-Strauss-Konservatorium beziehen ihr neues Domizil im Gasteig; mit dem Kleinen Konzertsaal und der Black Box öffnen auch die ersten Säle ihre Pforten für das musik- und theaterinteressierte Publikum.
Gesamteröffnung
10. November 1985: Mit der Gesamteröffnung des Gasteig findet eines der ehrgeizigsten Bauprojekte der Landeshauptstadt München seinen Abschluss. Auf dem ca. 23.000 qm umfassenden Areal des ehemaligen Gasteig-Spitals erhebt sich ein imposanter Gebäudekomplex von 445.000 cbm umbautem Raum, dessen ziegelverkleidete Schauseite durch einen 32 Meter hohen Glasrisalit strukturiert wird. Die musikalische Inbesitznahme der Philharmonie wird mit einem Festkonzert begangen. Vor 2.400 Festgästen bringen die Münchner Philharmoniker unter Maestro Sergiu Celibidache den »Feierlichen Einzug« von Richard Strauss zu Gehör.
10 Jahre Gasteig – ein Grund zum Feiern
1995: Anlässlich des zehnjährigen Geburtstages lädt der Gasteig die Münchnerinnen und Münchner zu einem Festkonzert in allen Sälen ein; Dozenten und Studierende des Richard-Strauss-Konservatoriums spielen auf; Münchner Volkshochschule und Gasteig München GmbH (damals noch unter dem Namen Gasteig Betriebsgesellschaft mbH) zeigen in einer Ausstellung die Ergebnisse eines gemeinsam ausgeschriebenen Fotowettbewerbs; die Stadtbibliothek öffnet ihre Pforten zu einem Tag der offenen Tür.
Das Ende einer Ära: Wechsel der Geschäftsführung
1. Januar 1999: Mit Beginn des Jahres stehen grundlegende Änderungen ins Haus, die das Ende einer Ära und den Beginn einer neuen markieren: Dr. Eckard Heintz, der bisherige Geschäftsführer der Gasteig Betriebsgesellschaft GmbH, der die Geschicke des Gasteig 16 Jahre lang wesentlich mitgeprägt hat, übergibt die Geschäftsleitung an seine vom Aufsichtsrat gewählte Nachfolgerin Brigitte v. Welser. Zugleich gibt sich die bisherige Gasteig Betriebsgesellschaft GmbH den Namen Gasteig München GmbH.
Unter der neuen Leitung von Brigitte v. Welser wird ein umfangreiches Paket an Modernisierungsmaßnahmen in Angriff genommen.
Planung umfangreicher Modernisierungsmaßnahmen
2001/02: Der Stadtrat der Landeshauptstadt München genehmigt das »Synergie-Projekt«, das im Wesentlichen die Modernisierung der gesamten Kommunikationsinfrastruktur vorsieht. Betroffen sind das Datennetz und die Telekommunikationsanlage ebenso wie die Brandmeldeanlage, die elektroakustische Anlage, das Breitband-kabelnetz sowie die Gebäudeleittechnik.
Um zusätzliche Synergieeffekte nutzen zu können, bewilligt die Vollversammlung des Stadtrates die Haushaltsmittel für dringend erforderliche architektonische Maßnahmen in den publikumsrelevanten Bereichen des Hauses. Dadurch kann die bereits im Planungsstadium befindliche Erneuerung der technischen Ausrüstung um die Teilprojekte »Synergie« und »Brush up« zu einem umfassenden Gesamtprojekt erweitert werden.
»Synergie« und »Brush up«
2003–05: Unter dem Arbeitstitel »Synergie« und »Brush up« wird der Gasteig bei laufendem Betrieb runderneuert. Im Mittelpunkt stehen dabei die Foyers und die Gastronomie. Schwerpunkte sind die Um-gestaltung der Cafeteria, die Neu-gestaltung der Pausengastronomie sowie der Umbau des »Café Gasteig« in ein urbanes Restaurant. Freuen dürfen sich die Besucherinnen und Besucher aber auch über die Neugestaltung des Beleuchtungssystems, die Verwandlung der Black Box-Außenansicht in einen farbig oszillierenden Leuchtkubus sowie eine Erneuerung der Bodenbeläge und Decken in den Fluren und Foyers.
20 Jahre Gasteig
2005: Das neue Restaurant »gast« wird eröffnet. Unter der Federführung der Architekten Lüps und Bahls hat sich das eher unscheinbare »Café Gasteig« in ein lichtdurchflutetes Restaurant mit weltstädtischem Flair verwandelt.
Am 12. November begeht der Gasteig sein 20-jähriges Jubiläum mit einem vollen Programm im ganzen Haus für alle Münchnerinnen und Münchner und alle Gäste der Stadt.
München feiert Geburtstag!
Im Sommer 2008 feiert die Landeshauptstadt ihren 850. Geburtstag. Auch der Gasteig gratuliert und feiert – mit einem attraktiven Fest-programm für alle Münchnerinnen und Münchner. Offzieller Beginn der Feierlichkeiten ist ein Festakt in der Philharmonie am 13. Juni. Bis spät in die Nacht feiert das Publikum in allen Sälen und auf dem Celibidache-forum: Ob Carl Orffs »Carmina Burana«, Boogie-Woogie-Klänge, zeitgenössische Videokunst, traditionelle Volksmusik oder Klassik pur – das Programm ist vielfältig und bunt, wie der Gasteig selbst.
Am 14. Juni thematisiert die SALZ_NACHT, ein etwas anderes Bürgerfest im Gasteig, anlässlich des Stadtgeburtstags den eigentlichen Anlass der Gründung Münchens: die lukrativen Gewinnmöglichkeiten am Verlauf von Salztransportwegen. Geboten werden Podiumsdiskussionen, Lesungen, Musik, Theater und Opern. Außerdem gibt es thematisch passende Filme, Kochkurse, Lichtinstallationen und eine »Salz-Disco«.
RSK wird HMT
Zum 1. August 2008 wird das Richard-Strauss-Konservatorium in die Hochschule für Musik und Theater München integriert und geht damit als letztes kommunales Konservatorium Bayerns in staatliche Trägerschaft über. Die vom Richard-Strauss-Konservatorium im Gasteig genutzten Unterrichts-, Verwaltungs- und Überäume stehen der Hochschule für Musik und Theater München nach der Übernahme langfristig zur Verfügung. Das im Gasteig bisher vom Richard-Strauss-Konservatorium getragene Angebot von Musikveranstaltungen im Rahmen der Ausbildung junger Künstler wird von der Hochschule für Musik und Theater München in vollem Umfang übernommen und weitergeführt.
SMS zieht um
Die vorher im Gasteig ansässige Städtische Sing- und Musikschule befindet sich seit dem 11. November 2008 in der Blumenstraße 28a.
Betrieblicher Umweltschutz wird ausgezeichnet
Am 18. November 2008 erhält die Gasteig München GmbH die Auszeichnung »Münchner ÖKOPROFIT-Betrieb 2007/2008«.
Unternehmen, die an diesem Programm teilnehmen, senken langfristig Kosten und Umweltbelastungen. Dabei ergreifen sie technische und organisatorische Maßnahmen, um Rohstoffe, Wasser und Energie einzusparen, Abfall zu vermeiden sowie Emissionen zu reduzieren. Gleichzeitig sensibilisieren diese Betriebe ihre Belegschaft für Umweltfragen.
25 Jahre Gasteig
Das 25-jährige Jubiläum des Gasteig ist ein guter Grund zum Feiern. Die ganze Jubiläumssaison 2010/2011 hindurch fanden daher zahlreiche Sonderveranstaltungen statt: Feste, Performances, Musiknächte, themabezogene Ausstellungen und Aktionen, die auf das Jubiläum aufmerksam machen. Alleine zu Gasteig Elements – dem Abschluss-wochenende der Feierlichkeiten mit 250 Veranstaltungen – kamen 33.000 Besucherinnen und Besucher!

