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23.09.2019

»Ich bringe gern Musik an den Ort zurück, der mich so geprägt hat.«

»Ich bringe gern Musik an den Ort zurück, der mich so geprägt hat.« Isabel Melendez Alba

Von 30. September bis 6. Oktober geht das Projekt »Spiel den Gasteig« in die nächste Runde, mit Märchenkonzerten und Schnupperunterricht für Kinder. Im Gespräch zu »Spiel den Gasteig!« – mit Isabel Melendez Alba und Felix Rodewaldt

Ein Flügel, 200 Meter Tape, und jede Menge Märchenklassiker – bei »Spiel den Gasteig!« konnten Besucherinnen und Besucher des Gasteig den Sommer über auf dem Celibidacheforum in die Tasten greifen. Ein von Tape-Artist Felix Rodewaldt gestalteter Yamaha-Flügel stand dort als farbenreiches Kunstwerk für spontane Musikeinlagen bereit. Von 30. September bis 6. Oktober zieht Klavierpädagogin Isabel Melendez Alba jetzt mit dem Flügel in das Foyer des Kleinen Konzertsaals. Dort möchte sie Kindern einen ersten Zugang zu klassischer Musik verschaffen.

Isabel Melendez Alba

Für »Spiel den Gasteig!«-Initiatorin Isabel Melendez Alba schließt sich mit diesem Projekt ein Kreis. Die Pianistin und Klavierpädagogin war schon als Kind fasziniert von ersten Konzert-Besuchen in der Philharmonie, studierte später Klavier an der Hochschule für Musik und Theater München. »Ich habe einen sehr persönlichen und engen Bezug zum Gasteig«, so Melendez. »Die ersten Konzertbesuche in der Philharmonie waren sehr prägend, durch sie entstand mein Wunsch, Musikerin zu werden. Ich freue mich deshalb besonders darauf, Musik zurückzubringen an den Ort, der mich so geprägt hat.« Nach Schema F geht bei ihr dabei nichts: Als Klavierpädagogin legt sie Wert darauf, immer wieder neue Unterrichtskonzepte zu entdecken. So entstand auch das Kinder- und Familienprogramm für »Spiel den Gasteig!«, das auf spielerische Art und Weise an klassische Musik heranführen soll – mit Märchenkonzerten und Schnupperstunden. »Die erzählten Märchen werden mit Musik unterlegt und verstärkt. Die Kinder merken so, dass man verschiedene Stimmungen mit Musik ausdrücken kann. Außerdem zeige ich im Schnupperunterricht, wie es sich anfühlt selbst zu spielen. Für viele Kinder ist es etwas ganz Besonderes, nicht nur zuzuhören, sondern auch mit einbezogen zu werden. Als Gasteig-Besucher ist man ja generell sonst meist Konzertgänger, nimmt die Musik ›nur‹ auf. Hier kann man sich ausprobieren und selbst etwas erschaffen – und das an einem qualitativ hochwertigen Instrument, das sich viele so nicht leisten können.«

Felix Rodewaldt bei der Arbeit

Das Spielerische des Programms spiegelt sich auch in der Gestaltung des Instruments wider. Der Münchner Künstler und Tape-Artist Felix Rodewaldt versah den Flügel mit meterweise knallbuntem Tape. Acht verschiedene Farben à 25 Meter des speziellen Gewebe-Klebebands hatte Rodewaldt sich dafür zurechtgelegt. Für ihn ist es inzwischen der zweite Flügel, den er in ein bunt leuchtendes Kunstwerk verwandelt hat. Der Tape-Artist studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und entdeckte schon bald das großflächige Arbeiten für sich. Heute ist er international unterwegs, tapt Autos, Restaurants oder ganze Gebäude und versieht Hausfassaden mit meterhohen Wandmalereien, für die er schon mal einen Steiger- und Hebebühnenführerschein macht. Auch bei »Spiel den Gasteig!« hatte er einen eher ungewöhnlichen Arbeitsplatz: Drei Tage lang saß und tapte er im Schaufenster des Musikhaus Hieber Lindberg in der Sonnenstraße, das den Yamaha- Flügel für dieses Projekt zur Verfügung gestellt hat. Eine grobe Konzeption hat Rodewaldt bei seinen Arbeiten meist im Kopf, ändert und improvisiert im Arbeitsprozess aber gerne noch. »Hier wusste ich im Vorhinein, dass jede Taste ihre eigene Farbe bekommen soll, denn jede Taste hat auch ihre eigene Klangfarbe«, so Rodewaldt. »Außerdem wollte ich einen direkten Bezug zu meinem ersten gestalteten Flügel herstellen, dabei aber einen anderen Stil verwenden und eine neue Wirkung erzeugen. Die starken, matten Farben, die den Flügel jetzt zieren, finde ich als Kontrast zum glänzenden Lack des Instruments besonders interessant. Und das Tape verändert natürlich auch die Haptik beim Spielen.«

Der Kontrast zwischen dem knallbunten, aber matten Tape und dem klassisch schwarz-weiß glänzenden Flügel gefällt auch Isabel Melendez: »Im Grunde sehen alle Flügel erst einmal mehr oder weniger gleich aus. Das mit buntem Tape aufzubrechen, betont den spielerischen Charakter des Instruments und meines Programms. Ein Flügel wirkt ja allein schon durch seine Form auf viele Menschen erst einmal respekteinflößend. So ein buntes Instrument ist schon etwas anderes, und man sieht es nicht so häufig. Was ich übrigens schade finde, früher war es gang und gäbe, Instrumente wie Klaviere und Cembali individuell zu gestalten, bemalen und zu verzieren.« Für Melendez ist es vor allem das Momenthafte der Musik, das durch das wieder abnehmbare Tape unterstrichen und gleichzeitig festgehalten wird: »Die Bildende Kunst, das Gestalterische ist für mich ein Einfangen des Moments, der durch die Kunst länger bestehen bleiben kann. Bei der Musik verhält es sich ein wenig anders: In dem Moment, in dem ich die Tasten drücke, ist es auch schon wieder vorbei. Musik ist für mich dadurch etwas sehr Flüchtiges. Beide Kunstformen spielen also auf ihre Weise mit dem Aspekt des Moments.« Und auch für Rodewaldt spielt der Moment eine wichtige Rolle: »Meine Projekte leben oft vom Momentum. Ich bin deshalb vor allem fokussiert darauf, schöne Fotos zu machen, um die Projekte gut zu dokumentieren, und sie dann abzugeben. Denn im Normalfall werden die gestalteten Objekte wieder gebraucht.«

Doch bevor das Klavier weiter wandert, gibt es nun erst einmal ein vollgepacktes Programm mit jeder Menge Märchen und Schnupperunterricht.
Nähere Informationen zum Programm finden Sie hier.

Isabel Melendez Alba im Interview (Ausschnitte):

 
 

Text/Interviews: Judith Ludwig
Fotos/Video: Isabel Melendez Alba/Felix Rodewaldt
Videoschnitt: Andreas Merz

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